Was macht heute – Kolja Kärtner-Sainz

Über 16 Jahre gibt es den Buchkinder Leipzig e. V. —  Hunderte von Kindern und Jugendlichen wurden seither in unseren Werkstätten bei der Umsetzung ihrer Ideen begleitet. In der Reihe Was macht heute … erzählen uns Buchkinder von damals, was sie heute machen. In dieser Ausgabe kommt Kolja Kärtner-Sainz zu Wort.

Welche waren denn die Bücher, die du bei den Buchkindern geschrieben hast?

„Auf die Plätze, fertig, los!“ und „Das Tagebuch von Jim und Joe Black“ und noch ein drittes.

Wie alt warst du denn, als du bei den Buchkindern anfingst? Und weißt du, wie du hingekommen bist?

Ich war 3 Jahre alt. Den ersten Kurs habe ich im Waldkindergarten gemacht. Da kam Rulo einmal die Woche und hat mit uns Linol geritzt.

Bist du gerne gegangen, kannst du dich erinnern?

Das war eigentlich immer ein schöner Wohlfühlort, durchweg positiv in der Erinnerung, gut zum Entspannen und Sich ausprobieren. Und auch, dass man einen Ort hatte, an dem man sich auch einfach wirklich nur dem Kreativen gewidmet hat. Dieser große Eckraum, den man dort hatte und in dem man dann ein paar Stunden zugebracht hat. War schon sehr cool.

„Ein kleine Nahrungskette“ aus dem Buch „Auf die Plätze fertig los!“, Kolja Kärtner Sainz,9 Jahre, Leipzig 2009

Bei »Das Tagebuch von Jim und Joe Black« da hattest du mit Julius gearbeitet, du warst der Zeichner ...

Genau, wir hatten einfach Lust mal etwas zusammen zu machen. Das war auch irgendwie ganz schön, mit dem hatte ich mich damals auch viel getroffen und er hatte auch Lust.

Was hat denn die Faszination für dich ausgemacht?

In dem Alter habe ich unabhängig von den Buchkindern viel gezeichnet, das war damals recht viel Thema. Ich würde sagen, die Faszination war erst einmal das man in einer betreuten Atmosphäre Linoldruck verwendet, das hatte ich vorher noch nie gemacht gehabt. Und auch, dass man einen Ort hatte, an dem man sich auch einfach wirklich nur dem Kreativen gewidmet hat. Wo man dann auch andere Kinder getroffen hat.

Kannst du dich erinnern an die Situationen der Buchübergaben, wenn Geschichten fertig geworden sind? Oder hat das für dich überhaupt eine Rolle gespielt, etwas fertig zu sehen?

An ein Mal erinnere mich noch: Da hatte ich so eine Art Unterwasserlandschaft gemalt, sehr ausführlich und es war alles schwarz-weiß und zweidimensional. Eine Illustratorin hat das Bild dann nachträglich sehr aufwendig mit Buntstiften koloriert. Damals wusste ich wirklich nicht ob ich das jetzt gut oder schlecht finden sollte. Jetzt finde ich das eher lustig, ich habe ja doch nur ein paar konkrete Erinnerungen an solche Situationen.

Kannst du sagen, wie rückwirkend die Wirkung für dich war, wenn du heute daraufschaust? Würdest du sagen, dass dich irgendetwas geprägt hat oder es elementare Erfahrungen gab? Auch bezogen darauf, wer du heute bist, wie du bist, wie du deine Entscheidungen triffst, vielleicht auch im Hinblick auf berufliche Orientierung?

Für mich war es sehr cool als Kind viel zu malen, sich da auszuleben, das hat man ja nicht nur über die Buchkinder gemacht, aber dort eben verstärkt und in anderer Form natürlich. Man malt ja als Kind die Sachen, die einen gerade interessieren, lustige Szenarien, die man im Kopf hat, die man dann besonders viel malt oder über die man Geschichten schreiben will. Da vertiefen sich dann einfach ganz viele Gedanken, die man hat und es bilden sich auch Interessen, die noch länger bleiben.

Das ganze produziert einfach eine Offenheit dem Kreativen gegenüber. Man lernt heute viele Leute kennen, die in ihrer Kindheit nicht viel gemalt haben oder das nie mit Spaß verbunden haben. Ich finde es toll, dass das einem nicht entgangen ist. Das ist für mich maßgeblich, eigentlich.

Ich finde das Format Buchkinder wirklich sehr genial und ich hoffe, dass es das weiterhin gibt. Das ist schon ein schönes Ding.

Kolja Kärtner-Sainz

 

Man könnte ja denken, dass jemand wie du, der so gerne gezeichnet hat und auch ausgesprochen viel, so ein Zauberzeichner, auch dieser Richtung treu bleibt.

Das war jetzt bei mir nicht der Fall, ich habe jetzt angefangen, in Jena Jura zu studieren, das ist ja sozusagen wenig zeichnen-related

Wie kam es dazu, zu dieser Entscheidung?

Das war ein langer Prozess, mir ging es natürlich viel um Interessen, darum, etwas zu machen, was einem wirklich Spaß macht. Ich hatte ein total tolles Praktikum in einer Kanzlei gemacht. In der haben ganz viele superumgängliche Leute gearbeitet, die einem wirklich das Ganze nahebringen und einen dafür begeistern wollten. Das haben sie bei mir gut geschafft. Was mich gereizt hat war, dass man sich mit vielen grundlegend logischen Methoden Fällen nähert. Zurzeit finde ich es wirklich toll, wieviel man in dem Studium mit der Sprache arbeitet.

Du hast aus meiner Sicht einen ganz wichtigen Satz gesagt: »Ich möchte machen, was mir Spaß macht.« Das ist ja gar nicht so einfach, das herauszufinden. Und das hast du ja erlebt, du hast ja auch erzählt, dass das nicht bei allen so war, dass sie auch Zeichnen mit was Schönem verbinden konnten, sondern auch eher mit Drucksituationen …

Genau das ist ja etwas Tolles, was die Buchkinder ja auch schaffen und fördern können.

Deine Mutter hat mir verraten, dass es noch einen anderen Aspekt gab, der dich möglicherweise in diese Richtung gebracht hat, neben den inhaltlichen, das war so das Erleben dieser Strukturen um dieses Künstlerdasein herum, was ja eben doch bezogen auf den Broterwerb eine eher wackelige Situation ist, und du durch deinen Vater und dessen Arbeiten in der Wissenschaft ja auch mitbekommen hast, wie das ist in diesen befristeten Zusammenhängen und in diesen Abhängigkeiten von äußeren Strukturen zu arbeiten …

Mit dem Finanziellen habe ich das tatsächlich nur wenig verbunden. Zumindest habe ich das Gefühl – auch über meine Eltern – verstanden zu haben, dass es wirklich gerade nicht das Geld ist, dass mein Leben bestimmen soll. Ich hatte immer das Gefühl, dass die beiden wirklich ein tolles Leben führen, in dem sie Vieles genießen und tun, was ihnen Spaß macht. Genau das Gleiche wollte ich dann natürlich auch immer, das ist auch ein schweres Idealbild.

Wenn mein Studium mit einer Sicherheit einhergeht, finde ich das aber natürlich trotzdem schön.

Gibt es noch irgendetwas, das du sagen möchtest?

Ich finde das Format Buchkinder wirklich sehr genial und ich hoffe, dass es das weiterhin gibt. Das ist schon ein schönes Ding.