Les enfants font des livres

Schreib und Druckwerkstatt des Buchkinder-Leipzig e. V. im Goethe Institut Lyon

 

Wir haben die Werkstatt im Gepäck und reisen 27.-31. Oktober nach Frankreich. Hier waren wir
eingeladen Kinder ganztägig, auf deutsch und französisch zu ihren Geschichten zu begleiten.
In der Galerie des Goethe Institutes, mitten in der Lyoner Innenstadt, fanden sich also 15 Kinder aus
vielfältigen sozialen und ökonomischen Lebenslagen und unterschiedlichen Alters wieder, die sich
vorher größtenteils noch nicht kannten. Was sie vereinte, war die Neugierde an Geschichten und Lust
eigene Bücher zu entwickeln.

Materialbereitstellung / Selbständiges Ausprobieren

Die Galerie des Institutes wurde in eine Werkstatt verwandelt. Hier stand alles bereit zum Schreiben,
Drucken, Zeichnen, und Binden. Durch selbstständiges Ausprobieren und sich selbst Aneignen von
Techniken, konnten die Kinder schnell ihren persönlichen Zugang finden. Aus Druck- Experimenten
wurden Sammelbände von Mustern, Gesichter von Monstern für eine kurze Geschichte oder
Landschaften zum hindurchspazieren. Capucine rollte mit einem grünen, fleckigen Farbroller über ein
großes Papier und beschreibt dabei den Spaziergang durch einen Park. Yoann bindet schon an Tag
zwei 4 verschiedene kleine Bücher aus unterschiedlichen Materialien, die ihn zu deren Inhalt
inspirieren.

 

Die Kinder lernen die Werkstatt als ihr eigenes, freies Forschungsfeld zu betrachten und selbst
Verantwortung zu übernehmen. Dabei werden sie von uns behutsam und ohne Wertung begleitet, so
dass sie beispielsweise durch die Materialien selber Antworten und Impulse finden können. Auf
deutsch, französisch oder mit Händen und Füßen, haben wir mit den Kindern über ihre Ideen
gesprochen und durch offene Fragen bei deren Entwicklung geholfen.

 

Exkursionen

Zusätzlich zur Werkstattarbeit besuchten wir das Musée des Beaux-Arts und das Atelier der
Illustratorin Caroline Hüe. Hier entdeckten die Kinder eine Vielzahl unterschiedlicher
Ausdrucksformen, wie Geschichten erzählt und festgehalten werden können. Sie hielten ihre
Eindrücke aus dem Museum in ihren eigenen Skizzenbüchern fest und einige der Motive die sie dort
besonders interessierten tauchten später in eigenen Geschichten auf. Im Atelier von Frau Hüe
durften die Kinder selbst per Grafiktablet auf dem Computer zeichnen. Sie konnten der
professionellen Illustratorin Fragen stellen, die sie an ihrer Arbeit interessierten, und sich als
Autor*innen auf Augenhöhe erfahren.

 

Öffentliche Präsentation

Am letzten Tag der Werkstatt wurde die Galerie ein weiteres Mal verwandelt. Diesmal in einen
Lesungssaal. Engagiert und mit Begeisterung fertigten sie als Gruppe gemeinsam einen
Programmzettel zur Vorbereitung der Veranstaltung. Nina, eine der jüngsten, welche oft eher still
und alleine arbeitete, schreibt das Programm nochmal selbst ab und will sogar die Lesung
anmoderieren. Sie wird von der ganzen Gruppe ermutigt und bestärkt. Selbstständig teilen die Kinder
Verantwortungen untereinander auf, den Raum vorzubereiten und freuen sich ihre fertigen Arbeiten
als Gemeinschaft zu zeigen. Diese Energie ist ansteckend, und das Erwachsene Publikum lauscht
interessiert jeder Kinderstimme. Ein Mädchen, welches im Laufe der Woche große Unsicherheit mit
dem Schreiben hatte, geht mit ihrer Mutter nach der Lesung noch einmal jede Zeile Wort für Wort
durch. Nicht mit Suche nach Fehlern, sondern mit voller Aufmerksamkeit für den Inhalt. Sie strahlt.

 

  

Die Kinder nutzten hier die Möglichkeit sich selbst zu erfahren, ihre eigenen Bücher zu präsentieren
und sich mit ihren Ideen zu zeigen. Es braucht Mut das eigene Werk vor Publikum vorzutragen, eine
essenzielle Erfahrung der Selbstwirksamkeit, welche Vertrauen in die eigene Ausdruckskraft
ermöglicht. Jedes Kind konnte Ergebnisse Präsentieren und es wurde deutlich, dass sie mit ihren
Geschichten gewachsen sind.

 

Wir packten den Koffer zurück nach Deutschland, voller Erinnerung an stolze Gesichter und neuen
Freundschaften. Auf ein hoffentlich baldiges wieder sehen!

 

Wir danken für die großzügige Unterstützung die diese Reise möglich machte: Stadt Lyon,
Metropolregion Grand Lyon, Lions Club Essen-Assindia, Lions Club Erfurt-Thuringia, Lions Club Lyon-
Doyen.